Ylioppilastutkintolautakunta
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Studentexamensnämnden

Die finnische Abiturprüfung

Die Abiturprüfung wurde in Finnland zum ersten Mal im Jahr 1852 veranstaltet. Die Prüfung diente anfänglich als Aufnahmeprüfung für die Universität Helsinki zum Nachweis hinreichender Kenntnisse in Allgemeinbildung und Latein.

In unseren Tagen soll mit der Prüfung ermittelt werden, inwieweit sich die Schülerinnen und Schüler der Gymnasialen Oberstufe ("lukio") die dem Lehrplan für diese Stufe entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten angeeignet und ob sie die den Zielen der Oberstufe gemäße Reife erreicht haben. Mit der Ablegung der Abiturprüfung wird die allgemeine Befähigung für ein Hochschulstudium erworben. Die Abiturprüfung wird an den Gymnasialen Oberstufen durchgeführt.

Für die Abiturprüfung gelten die Bestimmungen des Oberstufen-Gesetzes ("lukiolaki" 766/2004) und des Gesetzes zur Durchführung der Abiturprüfung (672/2005) sowie die Verordnung zur Abiturprüfung (915/2005).

Der Abiturprüfungskommission obliegt die Leitung, Organisation und Durchführung der Prüfung. Sie legt auch Inhalt und Durchführung der Prüfung sowie die Bewertung der Prüfungsleistungen fest. Das Unterrichtsministerium ernennt die/den Kommissionsvorsitzende(n) sowie die etwa 40 ordentlichen Kommissionsmitglieder auf Vorschlag der Universitäten, der Hochschulen und des Zentralamts für das Unterrichtswesen. Die Mitglieder vertreten die verschiedenen Fächer der Abiturprüfung. Sie werden bei der Erstellung der Prüfungsaufgaben und bei der Bewertungsarbeit von etwa 330 außerordentlichen Mitgliedern unterstützt. Für die technische Durchführung der Prüfung sorgt das Prüfungssekretariat mit seinen 22 Beamten.

Für die Abiturprüfung gibt es zwei Prüfungstermine pro Jahr: Sie wird im Frühjahr und im Herbst, gleichzeitig an allen gymnasialen Oberstufen des Landes, veranstaltet.

Die Prüfung kann wahlweise auf einen Zeitraum von höchstens drei aufeinanderfolgenden Prüfungsterminen verteilt oder an einem Prüfungstermin abgelegt werden.


Die Prüfungsteile

Pflichtprüfungen und fakultative Prüfungen

Der Prüfling muss an wenigstens vier Prüfungen teilnehmen, wobei die Prüfung in der Muttersprache für alle obligatorisch ist. Der Prüfling wählt drei andere unter den folgenden vier Prüfungen als Pflichtprüfungen aus: Zur Wahl stehen die Prüfung in der zweiten Landessprache, die Prüfung in einer Fremdsprache, die Prüfung in Mathematik und eine Prüfung in den Realienfächern. Der Prüfling kann die Reifeprüfung außerdem durch eine oder mehrere fakultative Prüfungen erweitern.

Der Schulleiter / Die Schulleiterin der Gymnasialen Oberstufe prüft, ob der Prüfling die Voraussetzungen erfüllt, die für die Teilnahme an der Abiturprüfung und an den entsprechenden Prüfungsteilen gelten.

Prüfungsniveaus

In Mathematik, in der zweiten Landessprache und in den Fremdsprachen gibt es jeweils zwei verschiedene Prüfungen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. In Mathematik und in den Fremdsprachen sind die Niveaustufen "langer Lehrgang" und "kurzer Lehrgang", in der zweiten Landessprache "langer Lehrgang" und "mittellanger Lehrgang". Der Prüfling kann die Niveaustufe seiner Prüfung selbst bestimmen und ist nicht an das in der Oberstufe gewählte Lehrgangsniveau gebunden. Er / Sie muss aber zumindest in einem Pflichtprüfungsfach eine Prüfung ablegen, die für den langen Lehrgang konzipiert ist. Die Abiturprüfung darf nur eine Prüfung pro Prüfungsfach enthalten.

Beschreibung der Prüfungsaufgaben

Die Prüfung in der Muttersprache wird für die Sprachen Finnisch, Schwedisch und Samisch veranstaltet. Die finnische und swedische Muttersprachenprüfung besteht aus zwei Teilen, einer Textverständnisprüfung und einem Aufsatz. In der Textverständnisprüfung werden die Analysefähigkeit und das sprachliche Ausdrucksvermögen des Prüflings geprüft. Im Aufsatz stehen die Allgemeinbildung, die Reife der Gedankenführung, das sprachliche Ausdrucksvermögen und die Beherrschung von komplexen Sachverhalten auf dem Prüfstand. Die Note in der Muttersprache errechnet sich aus der gewichteten Gesamtpunktezahl der gennanten Prüfungsteile. In der samischen Muttersprachenprüfung wird ausschließlich ein Aufsatz verlangt. Ein Prüfling mit einer anderen Muttersprache als Finnisch, Schwedisch oder Samisch kann die Muttersprachenprüfung mit der Prüfung in der Zweitsprache (Finnisch oder Schwedisch) ersetzen. Die Prüfung beinhaltet Textverständnis sowie schriftliche Produktion.

Die Prüfungen in der zweiten Landessprache und in den Fremdsprachen bestehen aus Prüfungsteilen, die sowohl die Fertigkeit des Prüflings im Hörverständnis als auch im Textverständnis und in der Textproduktion in der jeweiligen Sprache erkennen lassen. Der Prüfling kann anstelle der Prüfung in der zweiten Landessprache auch die Muttersprachenprüfung in dieser Sprache ablegen.

In der Mathematikprüfung hat der Prüfling zehn Aufgaben zu lösen. Als Hilfsmittel dürfen von der Kommission zugelassene Taschenrechner und Formel- und Tabellensammlungen verwendet werden.

In den Realienfächern gibt es jeweils eigene Prüfungen in Religion (evangelisch-lutherische bzw. russisch-orthodoxe Konfession), Weltanschauungslehre, Philosophie, Psychologie, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Physik, Chemie, Biologie, Erdkunde und Gesundheitslehre. Die Prüfungen enthalten auch fachübergreifende Aufgaben. Je nach Fach sind sechs oder acht Aufgaben zu bearbeiten.

Wiederholung von Prüfungsteilen

Ein schon bestandener Prüfungsteil darf einmal wiederholt werden. Für die Wiederholung eines solchen Prüfungsteils gibt es keine zeitliche Begrenzung. Wenn der Prüfling vor der Erteilung seines Abiturzeugnisses einen Prüfungsteil wiederholt hat, wird jeweils der mit der besseren Note absolvierte Prüfungsteil im Zeugnis vermerkt.

Eine nicht bestandene Pflichtprüfung darf zweimal innerhalb der nächsten drei unmittelbar auf diese Prüfung folgenden Prüfungsterminen wiederholt werden. Wer einen Pflichtprüfungsteil nicht bestanden hat, kann die Niveaustufe der Prüfung wechseln. Vorher muss jedoch sichergestellt sein, dass die Abiturprüfung zumindest einen Prüfungsteil enthält, der für die Niveaustufe "langer Lehrgang" konzipiert ist. Wenn die Prüfung nicht innerhalb der vorgeschriebenen Zeit abgelegt wurde, muss sie als Ganzes wiederholt werden.

Eine nicht bestandene fakultative Prüfung darf ohne zeitliche Beschränkung zweimal wiederholt werden.

Ergänzungsprüfung

Nach bestandener Abiturprüfung kannn diese durch Prüfungen ergänzt werden, an denen der Prüfling noch nicht teilgenommen hat. Das gilt auch für andere Prüfungsniveaus in einem schon bestandenen Fach. Die Ergänzung der Abiturprüfung ist nur dann möglich, wenn die Abiturprüfung schon abgelegt wurde.


Zeugnisse

Abiturzeugnis

Der Prüfling erhält das Abiturzeugnis an dem Prüfungstermin, an dem alle Pflichtprüfungen bestanden worden sind. Im Abiturzeugnis werden die abgelegten Pflicht- und fakultativen Prüfungen, die Niveaustufe und die in der Prüfung erzielte Note vermerkt. Es werden die folgenden Noten und die ihnen entsprechenden Punktzahlen erteilt:

laudatur (L)......................7
eximia cum laude approbatur (E)...6
magna cum laude approbatur (M)....5
cum laude approbatur (C)..........4
lubenter approbatur (B)...........3
approbatur (A)....................2
improbatur (I)....................0

Zeugnis für bestandene Prüfungsteile

Wird nach Ablegen der Abiturprüfung ein schon einmal bestandener Prüfungsteil wiederholt oder eine Ergänzungsprüfung abgelegt, wird dafür ein separates Zeugnis erteilt.

Registerauszug

Wenn der Prüfling die Abiturprüfung über mehrere Prüfungstermine verteilt ablegt, erhält er/sie auf Antrag einen Auszug aus dem Abiturprüfungsregister, aus dem alle vom Prüfling bisher abgelegten Prüfungen zu ersehen sind.


Überprüfung der Bewertung

Ein Prüfling, der mit der Bewertung seiner Leistung nicht einverstanden ist, kann bei der Abiturprüfungskommission die Überprüfung der Bewertung beantragen. Wenn die Abiturkommission einen Bewertungsfehler feststellt, wird er behoben.


Vorschriften und Anweisungen

Die Abiturprüfungskommission hat eine Reihe von Vorschriften und Anweisungen erlassen, die die Prüfung und ihre Durchführung sowie verschiedene Prüfungsteile betreffen. Auch solche, die für Prüflinge mit Hörbehinderung, mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, behinderte, kranke und fremdsprachliche Prüflinge gelten. Diese Vorschriften und Anweisungen sind in Finnisch und Schwedisch auf den Internetseiten der Kommission zu finden.